„Mitten ins Herz“ – Die Klassenstufen 8 und 9 besuchten die Körperweltenausstellung

Beim Betreten der Ausstellungsräume dringt uns durch schwarzbehangene Trennwände ein leises rhythmisches „dup dub – dup dub – dup dub – dup dub“ entgegen. Wir werden von einem permanenten Herzschlag-Geräusch begrüßt – der Rhythmus unseres Lebens. Rote Fässer, Blutmengen, die unseren Körper durchfließen, sind anschaulich aufgestapelt.

Automatisch werden alle Schülerinnen und Schüler ruhiger – oder andächtiger? Auch wir, als begleitende Lehrkräfte werden uns des Ernstes dieses Themas bewusst – „Mitten ins Herz“ heißt diese Ausstellung.

Von diesem Zeitpunkt an bekommt unsere Exkursion eine andächtige, von Ernsthaftigkeit und Tiefsinnigkeit geprägte Ruhe. Es geht vorbei an plastinierten Herzen, sehnendurchzogenen, gehäuteten Körpern in unterschiedlichen Haltungen. Mann, Frau und Kind gehen ihres Weges, als wären sie mitten aus ihrem Alltag verstorben und sogleich gehäutet und ausgestellt worden.

Ein Hochspringer biegt sich muskelüberzogen über eine Hochsprungstange – mitten im Sprung und doch tot. Manches bereitet ein mulmiges Unwohlsein und unseren Schülerinnen und Schülern entgleisen andächtig Laute, wie „krass“ oder „abartig“. Fragen über Fragen zu anatomischen Sachverhalten prasseln auf uns Begleiter ein. Auf vieles konnten wir antworten, noch viel mehr mussten auch wir uns auf den zahlreichen Tafeln anlesen.

Gegen Ende der Ausstellung durchlaufen wir die wohl anspruchsvollsten Exponate – „Ein neues Leben entsteht“ heißt eine Station. Leben einsteht und vergeht nach wenigen Stunden, Minuten oder Tagen. Selbst ein 30 Wochen altes Ungeborenes liegt zusammengekrümmt in einer Vitrine. Zuviel für manche Schülerin. „Darf man so etwas zeigen und damit Kohle machen?“, platzte es wütend aus einem Neuntklässler hervor – „das ist ja abartig!“.

Am Ende kommt das Ende – nicht nur das der Ausstellung. Zum Schluss kommt das Thema Sterben auf den Plan – nicht der Tod! Was geschieht in dem Moment, wenn uns das Leben verlässt? Ein Prozess, der nicht Sekunden, sondern Minuten dauert. Schritt für Schritt wird unser letzter Kampf beschrieben.

Darf man mit verstorbenen Körpern, die käuflich erworben sind, Geld verdienen? Hat eine Ausstellung über Tod und Sterben irgendeine Berechtigung? Ist es überhaupt sinnvoll diese Ausstellung zu besuchen?

Die Meinungen unserer Schülerinnen und Schüler sind zu diesen Fragen so unterschiedlich wie die Emotionen, die die Ausstellung auslöste. Faszination, Beklommenheit, Überraschtsein, …!

Der Besuch war daher nicht verpflichtend und so konnte jeder für sich entscheiden, ob er teilnimmt oder nicht. Die moralische Auseinandersetzung zu diesem Thema geht aber sicher weiter.

Das Team der naturwissenschaftlichen Fächer