Klasse 4b testet Spiele für die Süddeutsche Zeitung

Welche Spiele helfen beim Lernen? Eine Klasse hat das im Auftrag der „SZ für Kinder“ getestet

Dass Unterricht ziemlich anstrengend sein kann – die Erfahrung haben die meisten Schüler schon gemacht. Auch die der Klasse 4b der Adalbert-Stifter-Gemeinschaftsschule. Ja, das Lernen ist oft harte Arbeit: zum Beispiel, wenn die Namen der deutschen Nachbarländer im Hirn landen und dort vor allem bleiben sollen – wenigstens bis zur nächsten Probe. Oder wenn man ergebnislos über einer Mathe-Aufgabe brütet. Dabei könnte Lernen so einfach sein. Und so lustig. Forscher haben schon vor ungefähr 100 Jahren herausgefunden, dass man am besten lernt, wenn man gar nicht merkt, dass man lernt – beim Spielen nämlich. Denn anders als im normalen Unterricht sitzen die Kinder dabei nicht nur still da und hören dem Lehrer vorne an der Tafel zu. Beim Spielen müssen die Kinder auch beobachten, miteinander reden, nachdenken, fühlen und sich bewegen. Das ist wichtig fürs Gehirn.

Aber welche Spiele eigenen sich für den Unterricht? Das will die 4b gemeinsam mit der Süddeutschen Zeitung für Kinder herausfinden.

Annette Zander vom Verein „Spielen macht Schule“ und Maren Lau vom „Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen“ in Ulm unterstützen sie dabei. Sie haben der Klasse neun unterschiedliche Spiele mitgebracht. Der Verein setzt sich dafür ein, dass Kinder in der Schule mehr spielen – gemeinsam mit den Wissenschaftlern vom Transfer-Zentrum. Maren Lau und ihre Kollegen prüfen dafür jedes Jahr um die 50 Spiele auf ihre Lerntauglichkeit. Und sie erforschen, was beim Spielen im Kopf passiert.

Das Gehirn besteht aus vielen kleinen Nervenzellen, die zu einem Netzwerk miteinander verbunden sind. Jedes Mal, wenn der Mensch etwas Neues lernt, entstehen neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen, wie Trampelpfade. So werden Fähigkeiten und Wissen gespeichert. Die besten Trampelpfade baut das Hirn, wenn der Mensch eigene Erfahrungen macht, wie beim Spielen. Werden dabei gleich mehrere Sinne beansprucht – also Hören, Sehen, Riechen, Fühlen -, hinterlässt das besonders tiefe Spuren.

Vor allem aber macht Spielen Spaß. Und das ist das Wichtigste. Denn: „Wenn etwas Spaß macht, dann bleibt es besser und länger im Gedächtnis haften“, sagt Maren Lau. Freude aktiviert im Hirn nämlich den Hippocampus. Das ist eine Art Lernturbo, der immer dann anspringt, wenn man sich richtig wohl fühlt. Dank ihm kann man sich auch lange nach der nächsten Probe noch an das Erlernte erinnern.

Zwar gibt es nicht für jeden Unterrichtsstoff ein passendes Spiel, aber vieles kann man durchs Spielen vertiefen. Welches Spiel hilft einem nun in Mathe weiter, welches in Deutsch oder Sachkunde? Die 23 Schüler untersuchen das auf die gleiche Weise wie die Forscher: Sie spielen zur Probe, einen Schultag lang. Auf eine Kategorie achten die Kinder dabei besonders: dass es Spaß macht.

Text: Juliane von Wedemeyer, Süddeutsche Zeitung für Kinder, Ausgabe Nr. 22 / Juni 2015

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